arztpaxen 31 kommunale aufgaben DenPhaMedKommunale Aufgabe - Kommunen und medizinische Versorgung

Mit Ärzten vor Ort sind Gemeinden zukunftsfähig

Die Gesundheitsversorgung der Bundesrepublik Deutschland steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Eine sich wandelnde Altersstruktur der Bevölkerung und Wanderungsbewegungen gefährden den Fortbestand zahlreicher ländlicher Gemeinden.

Diese Entwicklungen stellen auch die Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen. Zudem kommen hier weitere Probleme dazu: Viele Ärzte und Ärztinnen werden in naher Zukunft ihren Beruf aus Altersgründen aufgeben. Die Weiterführung von alteingesessenen Praxen ist dann an vielen Orten fraglich – gerade auf dem Land. Damit wird die Erhaltung der Gesundheitsversorgung auch zu einer Herausforderung für Kommunen.
Als Spezialisten für den Generationswechsel im Gesundheitssektor stehen wir Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen und damit Kommunen ein Stück weit zukunftsfähiger zu machen.

arztpaxen 31 kommunale aufgaben alte paar DenPhaMedDas Problem des demografischen Wandels, vor dem unsere Gesellschaft steht, ist nicht neu. Es ist vielmehr das Ergebnis einer Entwicklung, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs von Statten geht.

Aufgrund des steigenden gesellschaftlichen Wohlstands und Fortschritten in der Medizin hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in diesem Land erheblich verlängert.

Derzeit liegt sie bei gut 80 Jahren. Doch ältere Menschen benötigen in aller Regel auch mehr ärztliche Hilfe.

Darauf muss sich das Gesundheitssystem einstellen.

Doch auch die Ärztelandschaft mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten wird zunehmend älter. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ist der Altersdurchschnitt von Ärzten und Psychotherapeuten in der vertragsärztlichen Versorgung von 51,6 (2008) auf 54,1 (2017) Jahre gestiegen. Der Anteil der Über-60-Jährigen liegt mit 34,1 % sehr hoch. Anders gesagt: Es bahnt sich ein Generationswechsel an – sofern es gut läuft.
Doch davon kann nicht überall ausgegangen werden. Weniger optimistische Prognosen erwarten, dass viele Praxen nicht übernommen werden. Vor allem im ländlichen Bereich droht ein flächendeckender Ärztemangel, der zumindest in bestimmten Regionen bereits Realität geworden ist.


Es gibt Interesse an Landarztpraxen

arztpaxen 31 kommunale aufgaben landarztpraxen DenPhaMedFür junge Mediziner und Medizinerinnen sind Metropolregionen oftmals die attraktiveren Praxisstandorte. Denn hier sind die Verdienstmöglichkeiten besser, zudem bietet das städtische Umfeld deutlich mehr kulturelle Attraktionen und Abwechslung.

Dennoch gibt es auch ärztlichen Nachwuchs, der sich eine Tätigkeit im ländlichen Raum vorstellen kann. Die Suche nach einem Nachfolger für eine Landpraxis ist also nicht aussichtslos.

Es gibt unter jüngeren Medizinern und Medizinerinnen aber mindestens drei Trends, die die Fortführung eingesessener Arztpraxen erschweren:

Trend zur Anstellung

Trend zur Anstellung

Junge Mediziner der Y-Generation drängen nicht unbedingt in die eigene Praxis, denn da warten unendlich viele Aufgaben in Verwaltung, Abrechnungen, Datenschutz etc.. Auch Personal- und Praxisführung sind untrennbar Teil jeder Niederlassung. Entweder muss man als Praxisinhaber heute ein „Allrounder“ sein oder einen Praxismanager einstellen. Letzteres setzt voraus, dass die Praxis genügend abwirft. Hier schließt sich dann der Kreis. Angesichts dieser fachfremden Aufgaben bevorzugen insbesondere junge Medizinerinnen das Angestelltenverhältnis. Und natürlich auch um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. So kommt es, dass seit zehn Jahren die Zahl der angestellten Ärzte stetig wächst. 

Trend zur Teilzeit

Trend zur Teilzeit

Umfragen der KBV haben ergeben, dass niedergelassene Ärzte durchschnittlich 50 Stunden pro Woche arbeiten. Am längsten Kardiologen und Nuklearmediziner: Sie gaben ihr Arbeitspensum mit 57 Wochenstunden an. Hausärzte liegen mit 56 Stunden nur knapp darunter. Die „geringste“ Auslastung findet sich bei Augenärzten (47 Std.) und Psychotherapeuten (45 Std.). Da jedoch die junge Generation mittlerweile flexiblere Lebensvorstellungen entwickelt hat und viele Menschen Beruf, Familie und Freizeit in Balance leben möchten, sind dauerhaft solch lange Arbeitszeiten nicht sonderlich attraktiv. Kein Wunder also, dass die Y-Generation – vor allem Frauen – tendenziell Teilzeitstellen bevorzugen.

Trend zur Kooperation

Trend zur Kooperation

Immer weniger Mediziner verstehen sich als „klassische“ Einzelkämpfer mit Praxisteam. Die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten gewinnt dagegen immer mehr Anhänger. Das entspricht auch dem wissenschaftlichen Trend der Interdisziplinarität. Deshalb steigt die Popularität von ÜBAG, MVZ & Co. stetig an, zudem solche Kooperationsmodelle auch für Patienten etliche Vorteile bieten. Ärzte sehen vor allem diese Vorteile: Besserer fachlicher Austausch, gemeinsames Engagement, eigene Stärken nutzen, wirtschaftlicher Einsatz von Personal, Material und Räumen, gemeinsame Teamentwicklung, erhöhte Arbeitszufriedenheit, mehr Zeit für Patienten, zeitliche Flexibilität und leichtere Nachfolgersuche.


Kommunen sind gefragt

arztpaxen 31 kommunale aufgaben kommunen DenPhaMedDiese neuen Trends der Y-Generation und die oben genannten Probleme für einen Generationswechsel in Arztpraxen haben längst auch Kommunen alarmiert.

Denn wenn die medizinische Versorgung in einem Ort zusammenbricht, dann sinkt damit auch die Lebensqualität der Menschen. Und sind erst einmal Arzt und Apotheke verschwunden, kann dies zum langsamen „Ausbluten“ der Gemeinde führen.

Deshalb verstehen heute Politiker und Verwaltungen die örtliche Gesundheitsversorgung als stetig akuter werdende kommunale Herausforderung im Rahmen der Daseinsvorsorge. Diese Aufgabe kann auf ganz unterschiedliche Weise erfüllt werden.

Das Spektrum reicht von der Unterstützung einer Neuansiedlung über Baumaßnahmen bis hin zum Betrieb eines Gesundheitszentrums mit angestellten Ärzten.

Reichlich Vorlauf erforderlich

Eines allerdings ist immer zu beachten: diese Herausforderung braucht Zeit. Meist viel Zeit, denn es sind eine Reihe von Herausforderungen zu meistern, ohne die der Erfolg massiv in Frage gestellt werden muss:

  • Initiieren und begleiten eines lokalen Dialoges aller ortsansässigen Heilberufler unter Berücksichtigung der jeweils eigenen Vorstellungen und Zukunftspläne, um diese zu einer integrierten Zukunftsplanung der Kommune zusammen zu führen.
  • Erarbeiten eines gemeinsamen Maßnahmenkataloges und Erstellung eines strategischen Maßnahmenplanes zur Umsetzung.
  • Beginn der Vor-Vermarktung des Projektes zur Sicherstellung des Erhalts der vorhanden Sitze. Insbesondere rechtzeitige geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung des Generationenwechsels.
  • Projektentwicklung, Kalkulation, bei kommunaler Trägerschaft den Mittelbewilligungsprozess anstoßen oder bei privater Trägerschaft einen Finanzierungsplan erstellen. Achtung: spätestens hier die örtlichen Kreditinstitute sowie die zuständige Ärzte- und Apotheker-Kammer einbeziehen und unbedingt die jeweiligen Zulassungsverfahren beachten.
  • Beginn der Vermarktung des Projektes zur Sicherstellung der notwendigen Zulassungen, Sitze und niederlassungswilligen Ärzte.
  • Für den Fall einer Planung eines medizinischen Versorgungszentrums ist eine Standortsuche samt Standortentwicklungsplan (ÖPNV etc.) notwendig. Für den Fall einen ÜBAG sind die Standorte ebenfalls einer entsprechenden Analyse zu unterziehen.
  • Planung und Ausschreibung konkreter Entwicklungs- und Baumaßnahmen.
  • Realisierungsphase

Erfolgreiche Vorbilder gibt es bereits in vielen Regionen

arztpaxen 31 kommunale aufgaben erfolgreiche vorbilder DenPhaMedIn einigen Regionen gibt es Entwicklungen in diese Richtung. Schon 2016 berichtete beispielsweise die Ärzte-Zeitung über die „Mustervorlage“ des Ärztehauses der Gemeinde Büsum, das mit Unterstützung der Landesregierung Schleswig-Holstein realisiert werden konnte. In diesem Modell sind die praktizierenden Ärzte Angestellte der Kommune, die die Praxis betreibt. Andere Beispiele für die Rettung von lokalen Gesundheitsversorgern sind etwa die „Gemeinschaftspraxis im Bayerwald“ als überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (üBAG), das Hausärztezentrums Kaufering – hier übernahm die Gemeinde die Bauträgerschaft und vermietete die Praxisräumlichkeiten Ärzte – sowie das Ärztehaus Bad Endorf in einer ehemaligen Kurklinik. 

Grundsätzlich sind für eine wohnortnahe medizinische Versorgung vor allem folgende medizinischen Fachrichtungen von Bedeutung:

  • Hausärzte
  • Internisten
  • Kinderärzte
  • Frauenärzte
  • Gerontologen
  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Orthopäden
  • Hautärzte
  • HNO-Ärzte
  • Urologen
  • Psychologen / Psychiater

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Wir als Spezialnetzwerk für Gesundheitsberufe unterstützen Kommunen und Investoren bei praktisch allen Fragen rund um die Erhaltung oder Revitalisierung wohnortnaher Gesundheitsdienste.

Gehen Sie mit uns neue Wege der ärztlichen Versorgung. (Mail an Zentralbüro)