apotheken nachhaftungsschutz strandschirm DenPhaMedNachhaftungsschutz

Nachhaftung: böse Überraschung im Ruhestand

Wer seine Apotheke abgegeben hat und sich im Ruhestand befindet, der möchte nicht, dass ihn seine Apothekervergangenheit noch einmal einholt. Zumindest nicht, weil er in Haftung genommen wird. Und zwar für einen Schaden aus der Zeit vor der Abgabe. Mit einem Nachhaftungsschutz bleiben nach einer Betriebsaufgabe mögliche Spätschäden über das Erlöschen der Police hinaus „wegen Wegfall des versicherten Risikos“ abgesichert. Im Gesundheitssektor und eben auch in Apotheken ist die Nachhaftung ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Denn Haftpflichtschäden können Monate oder erst viele Jahre nach dem auslösenden Ereignis auftreten. Die maximale Haftzeit für solche Folgeschäden beträgt nämlich 30 Jahre.

In Rente und dennoch zuständig

apotheken haftungsrisiken nachhaftung geld zaehlen DenPhaMedGerade ältere Apothekeninhaber brauchen spätestens kurz vor der Rente einen guten Nachhaftungsschutz, denn nur selten wird ein Medikament direkt nach der Abgabe eingenommen.

Zumindest nicht die ganze Packung. Der Nachhaftungsschutz versichert mögliche Spätschäden nach Abgabe oder Schließung.

Sollte einem Apotheker im Ruhestand ein solcher Spätschaden weit nach dem auslösenden Ereignis unterstellt werden, müsste er, wenn er keinen Schutz mehr hat, auch das Prozessrisiko selbst tragen. In solchen Fällen wird meist die gesamte Ruhestandsplanung obsolet.

Nachhaftung ist Ereignistheorie

Im Bereich der Betriebshaftpflicht von Apotheken gilt für Personen- und Sachschäden die sogenannte Schadenereignistheorie. Danach kommt es generell auf den Eintrittszeitpunkt des Schadens an. Er ist also erst dann eingetreten, wenn der schadenauslösende Wirkstoff eingenommen wurde –  der Tag der Abgabe hingegen ist völlig irrelevant. Damit sind grundsätzlich alle Medikamentenabgaben nachhaftungsrelevant, die vor der Apothekenübergabe oder deren Schließung stattgefunden haben, aber erst danach eingenommen werden. Und das sind regelmäßig sehr viele. In der Regel

  • alle Rezepte und Sichtwahlabgaben sowie Freiwahlverkäufe der Tage und Wochen vor der Abgabe/Schließung
  • alle Belieferungen der letzten Woche(n)
  • alle Reise- und Urlaubsapotheken der letzten Monate
  • alle Packungen mit langer Haltbarkeit

Betriebshaftpflicht weg – Versicherungsschutz weg

Die Betriebshaftpflicht ist in Apotheken verbindlich vorgeschrieben. Diese Pflichtversicherung ist an das Objekt Apotheke gebunden, nicht an den Inhaber.

apotheken haftungsrisiken nachhaftung geld falle DenPhaMedMit der Apothekenabgabe geht die gemäß ApBetrO vorgeschriebene Betriebshaftpflichtversicherung automatisch in den Besitz des Nachfolgers über. Dieser kann sie behalten, verändern oder innerhalb eines Monats kündigen und eine andere Police abschließen. Damit kann der Alt-Inhaber also nicht sicherstellen, dass die Betriebshaftpflicht auf jeden Fall weitergeführt wird. Nur dann hätte er die Nachhaftungsfrage gelöst, weil der Vertrag unverändert weiter besteht und damit weiterhin auch für Haftpflichtschäden aus der Vergangenheit eintreten würde. In allen anderen Fällen könnte der Versicherer ablehnen und bei Neuabschluss besteht erst recht kein Grund, für einen Altschaden einzutreten.

Bei Apothekenschließung ist die Sachlage völlig klar: Da die Betriebshaftpflicht mit der Apothekenbetriebserlaubnis erlischt, besteht auch kein Versicherungsschutz mehr, es sei denn der Inhaber hat sich zuvor einen Nachhaftungsschutz gesichert. In der Spitzenkostet der dann 50% der Jahresprämie pro Jahr.

Angesichts der zugegeben seltenen, dann aber sehr kostenträchtigen – manchmal sechsstelligen – Schadenssummen empfehlen wir Apothekern mindestens zehn Jahre Nachhaftung zu vereinbaren. Das gibt es übrigens auch kostenlos… Fragen Sie rechtzeitig bei uns an. Spätestens aber ein Jahr vor der geplanten Abgabe. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Reiseapotheken: Doppelt riskant

Bei Urlaubsmedikationen, die im außereuropäischen Ausland zum Einsatz kommen, besteht bei den meisten Betriebshaftpflichtpolicen kein Versicherungsschutz. Und Sichtwahl wie Freiwahl-Produkte erhöhen das Haftungsrisiko für Apotheker noch weiter, weil sie nicht auf Rezept abgegeben werden. Damit werden Reiseapotheken, die sich Familien vor ihrem Urlaub von Apotheken zusammenstellen lassen, zu einer nicht kontrollierbaren Haftungsgefahr, weil weder klar ist wann und wo die Reiseapotheke zum Einsatz kommt noch wie hoch die Kosten sein könnten. Denn die Schadenhöhe kann je nach Urlaubsregion heftig differieren, da sowohl die Behandlungs- wie die Prozesskosten weltweit sehr stark differieren.

Nachhaftung – was kann da schon passieren?

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